Gründerjahre, Kriege und Geschichten von 1847 - 2000

1847
Der Pfarrer Johann Otto Tuchscherer, der von 1841 bis zu seinem Tode im Jahr 1867 in Kürten wirkte, gründet den Musikverein Kürten. Dazu "rekrutiert" er Mitglieder des ein Jahr zuvor gegründeten Kirchenchores. Er möchte so für eine angemessene musikalische Begleitung der sakramentalen Prozessionen sorgen. Die Kürtener Pfarrei umfaßt zu der Zeit noch neben dem heutigen Umfang die Gebiete der heutigen Pfarreien Offermannsheide und Biesfeld, die erst 1906 von Kürten unabhängig wurden. Auch bei Wallfahrten sollen die Gläubigen von den Musikanten begleitet werden. 
Die erste Besetzung des "Orchesters" sind Flöte, Klarinette, zwei Trompeten, Althorn, Tenorhorn und Posaune. Die Instrumente besorgt Pfarrerer Tuchscherer leihweise in Köln. Die Gründerväter des Vereins sind unter anderen die Brüder Johann und Wilhelm Meyer aus Morteln sowie Wilhelm Schmitz aus Schirpendhünn. Da diese jungen Männer aber neben gutem Willen kaum mehr in den neuen Verein einzubringen haben kümmert sich der Dorflehrer Grossmann um die musikalische Ausbildung. Das Dirigentenamt übernehmen gemeinsam Johann Meyer und Wilhelm Schmitz.

1876
Im Dirigentenamt erfolgt ein Wechsel von Johann Meyer auf seinen Neffen Wilhelm Meyer aus Dörnchen. Neben der Aufgabe die Gläubigen bei Prozessionen und Wallfahrten zu begleiten, werden jetzt auch Konzerte gegeben und die Musikanten spielen auch zu Tanzvergnügen auf. Der Musikverein blüht nicht nur zahlenmäßig auf!

Der MVK um das Jahr 1900 mit dem Dirigent Wilhelm Meyer (1. Reihe in der Mitte)

1906
Erneute Stabübergabe innerhalb der Familie: Otto Meyer übernimmt das Dirigentenamt von seinem großen Bruder Wilhelm. Auch er kümmerte sich um die Ausbildung des musikalischen Nachwuchses, der vielfach aus der weitläufigen Familie Meyer kommt.

1914
Weil die jungen Musikanten mit der Deutschen Armee in den ersten Weltkrieg ziehen müssen, übernehmen altgediente Musiker, die ihre Instrumente schon beiseite gelegt hatten, die kirchlichen Aufgaben des Musikvereins bis 1918.

1929
Nachdem sich nach dem Weltkrieg in Kürten mehrere Kapellen gebildet hatten, die aber alle nicht so recht auf die Füße kamen, führt Otto Dahl aus Hülsensteeg die Musikanten wieder unter dem Dach des Musikvereins zusammen und wird so der erste Vorsitzende des Musikvereins. Natürlich übernimmt wieder ein Meyer den Dirigentenstab: Wilhelm Meyer aus Kürten. Er ist der Sohn von Johann Meyer, einem Bruder der beiden Dirigenten Wilhelm und Otto Meyer. Damit folgt er also seinen beiden Onkeln im Amt.

1933
Um nicht in SA-Uniform auftreten zu müssen, rettet sich der Musikverein unter das Dach der Feuerwehr und nennt sich nun "Feuerwehrkapelle Kürten". Trotz Verbot begleiten die Musikanten auch weiterhin die kirchlichen Veranstaltungen.

1935
Mit finanzieller Unterstützung durch Otto Dahl wird der Musikverein mit neuen Instrumenten ausgestattet. Es werden drei Trompeten, eine Posaune, zwei Tenorhörner ein Althorn sowie eine B-Tuba angeschafft im Gesamtwert von 710 Reichsmark. 1937 zählt der Musikverein 14 aktive Musikanten.

1939
Der zweite Weltkrieg lähmt erneut das Vereinsleben.

1947
Die Musikanten finden sich nach dem Krieg wieder zusammen und spielen auf dem Odenthaler Schützenfest wieder unter der Leitung von Wilhelm Meyer. Im Herbst wird das 100jährige Bestehen gefeiert. Aus diesem Anlaß findet im Saal der Gaststätte Pohl in Weiden ein Festkonzert statt, an dem auch der Kirchenchor teilnimmt. Josef Herweg aus Waldmühle wird jetzt zum Vorsitzenden des Musikvereins gewählt.

Rosenmontagszug in Köln, 01.03.1954

1956
Erstmals übernimmt mit Willi Dahl ein "Nicht-Meyer" den Dirigentenstab des Musikvereins Kürten. Er ist schon seit Ende der zwanziger Jahre im Musikverein aktiv und wird den Musikverein in den folgenden Jahren prägen.

1958
Weil 1947 die 100-Jahr-Feier doch sehr unter den Nachwirkungen des zweiten Weltkrieges gelitten hat, soll in diesem Jahr das 110jährige Bestehen gemeinsam mit dem Kirchenchor groß gefeiert werden. Dazu hat sich schon seit letzten Weihnachten ein gemeinsamer Festausschuß der beiden Verein viele Gedanken gemacht und Anfang Mai nun kann das Fest beginnen. Am Samstagabend wird die Feier mit einer musikalischen Andacht in der Pfarrkirche eröffnet. Anschließend findet im Festzelt vor der Kirche der Festkommers statt, bei dem viele Gratulanten den Jubilaren Glück wünschen. Am Sonntag treffen etwa dreißig auswärtige Vereine in Kürten ein und bilden ein prächtigen Sternmarsch zur Freude der Kürtener Bevölkerung. Gleich nach dem Ende des Sternmarsches beginnt im Festzelt ein großes Konzert an dem wiederum mehrere Musikvereine und Chöre teilnehmen. Zum Schluß spielt dann wieder der Musikverein Kürten zum Tanz auf. Auch am Montag gibt es für die Festgäste wieder ein Tanzvergnügen im Festzelt bei dem diesmal die Tanzkapelle Hans Müller aus Dürscheid spielt. Der Musikverein zählt in diesen Tagen achtundzwanzig aktive Musikanten.

Der Musikverein um das Jahr 1964

1969
Im Februar wird Johannes Schmitter aus Busch zum neuen ersten Vorsitzenden des Musikvereins gewählt. Er steht nun vor der großen Aufgabe eine Kirmes zu organisieren, denn die Kürtener Ortsvereine haben beschlossen, die Kürten Kirmes neu zu beleben, und der Musikverein erhält den Auftrag, die "neue" Kirmes in diesem Jahr auszurichten. So findet die Kirmes im Juni unter der tatkräftigen Mitwirkung fast aller Musikanten erstmals im Festzelt hinter dem Jugendheim statt. Nach vierzig Jahren verläßt der Musikverein die Gaststätte Herweg in Waldmühle, weil der Schankraum für die vielen Musikanten inzwischen zu klein geworden ist. Ab jetzt wird im Saal vom Haus Berger am Kirchplatz geprobt.

1972
Zum 125jährigen Bestehen von Musikverein und Kirchenchor wird in Kürten wieder groß gefeiert. An drei Tagen im Mai wird musiziert und gesungen. Auch ein Sternmarsch wird wie 1958 durchgeführt. Das riesige Festzelt hinter dem Jugendheim kann die vielen Gäste kaum fassen. Unter den dreißig teilnehmenden Musikvereinen und Chören ist erstmals auch die Trachtenmusikkapelle Zederhaus aus Österreich. Zu diesem Jubiläum erhalten die Musikanten auch neue Uniformen.

Der Musikverein Kürten anlässlich des 125 jährigen Bestehen

1973
Auf große Fahrt begibt sich der Musikverein im Juni. Per Bus geht es für fünf Tage nach Österreich, wo der Trachtenmusikkapelle Zederhaus ein Gegenbesuch abgestattet wird. Bei diesem Besuch wird die im vergangen Jahr in Kürten begründete Freundschaft der beiden Vereine vertieft. Erstmalig findet das Konzert zum Stiftungsfest des Musikvereins im November in der Aula des neuen Kürtener Schulzentrums statt. Hier wird der Musikverein fünfundzwanzig Jahre "zu Hause" sein.

1976
Nach rund zwanzig Jahren am Dirigentenpult wird Willi Dahl beim Herbstkonzert im November feierlich verabschiedet. In vielen Glückwünschen werden seine Leistungen gewürdigt und vom Deutschen Volksmusikerbund erhält er den Ehrenbrief für fünfzig Jahre aktives Musizieren. Als Nachfolger wird Josef Feck aus Kerpen vorgestellt. Damit hat der Musikverein erstmals in seiner Geschichte einen Berufsmusiker als Dirigenten verpflichtet. Außerdem zieht der Musikverein wieder um. Jetzt wird im Obergeschoß der alten Kürtener Schule geprobt.

1978
Im Februar findet in Kürten der erste Karnevalszug des KCK-Blau-Gold statt bei dem der Musikverein natürlich aktiv ist. In der neuen Kürtener Sporthalle findet Anfang Mai das erste Gemeindemusikfest statt. Initiiert wurde dieses Fest vom Musikverein Kürten und hier besonders vom ersten Vorsitzenden Johannes Schmitter. Neben dem Musikverein Kürten nehmen teil: Das Blasorchester Dürscheid, die Musikgemeinschaft Bechen und der Musikverein Edelweiß Offermannsheide. Im Oktober verstirbt überraschend Willi Schmitz. Er war jahrzehntelang Kassierer und Schriftführer des Musikvereins.

1979
Nach 122 Jahren ist die Männergesellschaft im Musikverein passé: Die ersten Damen werden in den Verein aufgenommen. Wegen einer schweren Krankheit muß Josef Feck sein Amt als Dirigent des Musikvereins aufgeben. Kurzfristig kann Hugo Kolf aus Schildgen als Nachfolger verpflichtet werden. Er dirigiert schon nach wenigen Wochen im November sein erstes Konzert mit den Kürtenern.

Der MVK 1979 mit den ersten weiblichen Mitgliedern: Anita Schmitter (Klarinette) und Petra Stefer (Flöte)

1981
Im September nimmt der Musikverein am Bundesschützenfest in Koblenz teile. Im Oktober macht der Musikverein eine zweitägige Reise nach Paris bei der natürlich ausgiebig gefeiert wird.

1982
Der Ehrendirigent des Musikvereins Willi Dahl wird zum ersten Kürtener Buuren ernannt und trägt damit neben seinen Aktivitäten im Karneval zur Kürtener Brauchtumspflege bei. Dabei wird er natürlich vom Musikverein tatkräftig unterstützt. Im Dezember wird erstmals ein Adventskonzert in der Kürtener Kirche gegeben.

1984
Im April wurde erstmals ein Passionskonzert in der Kürtener Kirche gegeben. Zum zweiten Mal unternahm der Musikverein im August die lange Reise nach Zederhaus in Österreich. Der Aufenthalt dauerte knapp vier Tage und es wurde viel musiziert und gefeiert. Dabei lernten die Kürtener auch den "Tag der Blasmusik" kennen, der in Zederhaus sehr eifrig begangen wird.

1985
Im September spielt der Musikverein wieder beim Bundesschützenfest, das diesmal in Bergisch Gladbach stattfindet. Im November verstirbt der Ehrendirigent des Musikvereins Willi Dahl. Das nur zwei Tage später stattfindende Konzert zum 138. Stiftungsfest steht ganz unter dem Eindruck dieses herben Verlustes.

1986
Beim Herbstkonzert im November wird Hugo Kolf nach sieben Jahren als Dirigent des Musikvereins verabschiedet. Ein Nachfolger ist bis zum Ende des Jahres noch nicht gefunden.

1987
Im Januar wird Erich Tarnow als neuer Dirigent verpflichtet. Im Juni ist wieder die Trachtenmusikkapelle Zederhaus aus Österreich in Kürten zu Gast und beteiligt sich mehrfach an der Gestaltung der Kirmes. Kurz nach der Kirmes verstirbt Willi Meyer aus Hachenberg, der Jahrzehnte lang im Musikverein aktiv war und auch das Amt des ersten Vorsitzenden innehatte. Er entstammte auch der Familie der Gründerväter des Musikvereins.

1989
Rene Koch aus Offermansberg übernimmt als Nachfolger von Johannes Schmitter das Amt des ersten Vorsitzenden und gleich gibt es eine Neuerung: Erstmals wird in der Aula des Schulzentrums ein Frühjahrskonzert veranstaltet. Das findet in gemütlichem Rahmen mit Bewirtung statt. Das Publikum war begeistert, nicht zuletzt dank des leckeren Buffets, das in der Konzertpause eröffnet wurde, und so wurde eine neue Tradition begründet.

1990
Im April wird die erste "Musikanten-Ehe" geschlossen. Die Klarinettistin Ina Föckersperger heiratet den Saxophonisten Klaus Adelt. Eine dreitägige Fahrt nach Graach an der Mosel unternimmt der Musikverein im September. Beim dortigen Weinfest spielte das Orchester bei einem musikalischen Frühschoppen. Natürlich wurde die Gelegenheit genutzt zu ausgiebigen Wanderungen in den Weinbergen und der einen oder anderen Weinprobe.

1993
Günter Broich aus Röttgen löst Rene Koch im Amt des ersten Vorsitzenden ab. Als neuer Probenraum wird im April die Krypta unserer Kirche vom Musikverein bezogen. Der alte Probenraum in der alten Kürtener Schule wird jetzt von der Gemeinde anderweitig genutzt, deshalb wurde das Angebot der Kirchgemeinde, die den Raum aufwendig renoviert hatte, gerne in Anspruch genommen. Im Juni organisiert der Musikverein wieder die Kürtener Kirmes. Ein besonderer Höhepunkt ist dabei ein sehr gelungener Heimatabend am Sonntagabend.

1995
Im Juni fahren die Musikanten wieder für fünf Tage nach Zederhaus in Österreich. Anlaß diesmal: Das 100jährige Bestehen der dortigen Trachtenmusikkapelle. Bei mehreren Anlässen wurde an diesem Wochenende musiziert und auch das Feiern kam nicht zu kurz. Eine zweite "Musikanten-Ehe" wird geschlossen: Die Flötistin Alexandra Cürten heiratet im August den Trompeter Johannes Schmitter jun. Der langjährige Vorsitzende Johannes Schmitter sen. wird im November zum Kürtener Buuren gekürt.

1996
Mehrfach wird der Kürtener Buur Johannes Schmitter bei seinen Auftritten in der Karnevalssession musikalisch begleitet. Im Juni nimmt der Musikverein die erste CD der Vereinsgeschichte auf. Anlaß für diese Aufnahme ist das im kommenden Jahr anstehende 150jährige Bestehen des Vereins. Zwei besondere Auftritte haben die Musikanten bei zwei Bon-Jovi-Konzerten im Müngersdorfer Stadion, bei denen sie zwar nicht spielen dürfen, aber doch immerhin eine tolle Show erleben. Im September übernimmt Herbert Broich aus Duhr das Amt des ersten Vorsitzenden von Günter Broich.

1997
Im Juni übernimmt der Musikverein wieder die Ausrichtung der Kürtener Kirmes. Dabei wird der seit einigen Jahren eingeschlafene Montags-Frühschoppen zur Freude der Kürtener erfolgreich wiederbelebt. Im September wird mit einem großen Fest das 150jährige Bestehen von Musikverein und Kirchenchor Kürten gefeiert. Aus diesem Anlaß ist auch die Trachtenmusikkapelle Zederhaus wieder zu Besuch in Kürten. Der Musikverein zählt im Jubiläumsjahr einundfünfzig aktive Musikantinnen und Musikanten. Hermann-Josef Berger und Hermann-Josef Wurth erhalten die goldene Ehrennadel für ihre 50jährige Mitgliedschaft im Musikverein. Den festlichen Abschluß der Jubiläumsfeiern bildete das Herbstkonzert im November bei dem sich Erich Tarnow nach elf Jahren als Dirigent des Musikvereins Kürten vom Publikum verabschiedete.

Der Musikverein 1997 mit dem Dirigenten Erich Tarnow (rechts)

1998
Nach einigen Probedirigaten wird im Januar Heinz Rehring aus Neunkirchen-Seelscheid als neuer Dirigent des Musikvereins verpflichtet. Erich Tarnow wird mit einem Abschiedsempfang geehrt und zum Ehrendirigenten des Musikvereins ernannt. Das von den Kürtenern organisierte 11. Gemeindemusikfest im Mai ist der erste Auftritt des neuen Dirigenten mit seinem Orchester. Im November findet zum letzten Mal ein Herbstkonzert des Musikvereins in der Aula der Kürtener Schule statt.

1999
In dem neuen Konzertsaal, der aufwendig dekorierten Kürtener Sülztalhalle hat der Musikverein beim Frühjahrskonzert im April gleich großen Erfolg. Auch das Herbstkonzert findet im November vor vollem Saal in der Sülztalhalle statt. Zum letzten Mal nach mehreren Jahrzehnten findet das Konzert am Buß- und Bettag statt, der inzwischen kein Feiertag mehr ist.

2000
Nach zweiundzwanzig Jahren gibt Hermann-Josef Wurth sein Amt als Schriftführer und Kassier des Musikvereins auf und übergibt die Geschäfte in die Hände von Alexandra Schmitter.